Ursprünglich hob ich diesen Blog aus der Taufe, um von meinem Auslandsaufenthalt in Frankreich zu berichten. Seit ich wieder in Deutschland bin, habe ich dezent meine Freude am Schreiben (wieder-)entdeckt und veröffentliche hier ab und an Texte. Leider viel zu selten.
Montag, 6. Juli 2009
Wie geil ist das denn!!
Aufgrund meiner differenzierten, klugen Antwort und meiner charismatischen Ausstrahlung, konnten sie gar nicht anders, als dieses (Experten-)Interview zu veröffentlichen. Den Link findet ihr hier.
Der Beitrag befindet sich relativ am Anfang, also nach ungefähr zwei Minuten. Französischkenner dürfen sich gerne mal so kaputtlachen. Den anderen muss ich zum Verständnis vorausschicken, dass die Aufnahmen, die zu Beginn des Beitrags eingeblendet werden, von einem frisch renovierten Gebäude sind, in dem ich nicht wohne.
Nettes Detail am Rande: Ich stehe barfuß und in Boxershorts auf dem Flur. Bin ich ein Profi…
Vom Regen in die Scheiße
Während ich mich mit meinem alten Wohnheim schon fast angefreundet abgefunden habe, in dem vermeintlichen Wissen, viel schlechter könne es ja nicht mehr werden, bin ich schon mit einer Portion Vorfreude in das neue bâtiment eingezogen. Zu meinem Schrecken ist es – obwohl moderner – schäbiger.
Gebäude an sich
Das Gebäude ist sehr eigenwillig isoliert: Hitze und stickige Luft kommen rein, aber nicht raus. Aufzüge gibt es nicht (wohne zum Glück nur im zweiten Stock). Wenn ich die Küche besuche, packe ich lieber meine Wanderstiefel ein.
Sanitäranlagen
Die Toiletten wurden offensichtlich aus dem naheliegenden Kindergarten oder der Grundschule ausgemustert und günstig hier eingebaut. Das macht dieses Gebäude natürlich sehr kinderfreundlich, wirken aber in einem Studentenwohnheim mit einem Kinderanteil von 0% deplatziert. Ich muss jetzt ständig aufpassen, dass ich mir beim Hinsetzen nicht das Kinn an den Knien aufschlage. Um aus der Toilette rauszukommen, muss man sich rein theoretisch in das Klo stellen, um an der Tür vorbeizukommen. Auch sind sie ständig versifft; betätigt man die Spülung, reinigt diese nicht nur das Klo an sich, sondern auch die ganze Kabine und die eigenen Schuhe. Ich gehe kaum noch mit einer Zeitung aufs Klo – so weit haben sie mich schon getrieben.
Die Duschen sind mal, salopp gesagt, für’n Arsch: Der Druck, mit dem das Wasser aus der Leitung geschossen kommt, ist so stark, dass man die Tropfen fast einzeln zählen kann. Sich selbst anspucken ist ähnlich effektiv. Das war jetzt auch nur die Beschreibung der einen Dusche, die halbwegs funktioniert. Die Anderen kann man komplett vergessen.
Die Küche ist mal wieder exzellent ausgestattet: zwei Herdplatten, eine Mikrowelle und im Kühlschrank ein halbes Fach. Die Herdplatten muss man alle zwei Minuten per Knopfdruck freischalten, ihr wisst schon, aus Sicherheitsgründen und so. Sollten sich mehr als drei Personen in der Küche aufhalten, muss man sie stapeln. Kurz gesagt: Kochen macht hier echt wahnsinnig Spaß und ist mittlerweile ein neues Hobby.
Die Hoffnung, hier nach zwei Monaten wieder rauskommen zu können, hält mich aber weiterhin am Leben und ihr braucht euch fast keine Sorgen zu machen …
Sonntag, 14. Juni 2009
Finally: Auswertung der Umfrage
Dienstag, 12. Mai 2009
Ausreden
- ich war zu sehr mit Lernen beschäftigt
- ich war zu sehr mit Sport (Fußball, Joggen, Triathlon und Yoga) beschäftigt
- bin auf dem Klo eingeschlafen
- ich habe eine wegweisende Dokotorarbeit geschrieben, für die ich mindestens den Nobelpreis für Physik, Biologie, Mathematik, Medizin und Literatur bekommen werde, eventuell auch den für Frieden
- ich habe mein Zimmer aufgeräumt
- ich habe mich im französischen Bürokratie-Dschungel verlaufen
- erst bin ich auf dem Klo eingeschlafen und dann meine Beine; ich wurde erst nach Wochen gefunden
- ich habe meine kommende Weltherrschaftsübernahme vorbereitet
- ich war bei einem französischen Frisör und hatte danach Wochen damit zu kämpfen, mir aus Scham nicht die Pulsadern aufzuschneiden
- französische Aspirin gibt es nur in Kombination mit Valium
- ich bin bei McDonalds eingezogen
- ich musste lachen:
Sonntag, 15. März 2009
Was lange währt …
Positives
Es soll hier nicht so rüberkommen, als wäre hier alles schlecht und blöde. Die Bretonen an sich sind sehr nett und höflich und überall, wo ich hinkomme, werde ich freundlich empfangen. Von deutsch-französischer Erzfeindschaft keinerlei Spur. Auch das Wetter spielt langsam mit, die letzten Wochen waren kaum nass und mit der Sonne kratzen wir doch schon an der 20°-Celsiusmarke.
Einfach nur loben ist für mich aber zu langweilig, kommen wir also nun zu den interessanteren Details.
Sprachkenntnisse
Peu á peu verbessern sich meine Kenntnisse in Wort und Schrift, in Ausdruck und Verständnis, in hoher und Vulgärsprache. Meine Lernkurve ist immer noch sehr steil und ich weiß mich noch lange nicht am Ziel – in Wortschatz und Grammatik habe ich noch viele Lektionen zu lernen. Jedenfalls klappt der Small Talk, was kein Wunder darstellt, denn meistens beschränkt sich das auf: Wie heißt du? Woher kommst du? Was studierst du? Seit wann bist du hier und wie lange bleibst du hier?
Fast jeder besitzt deutsche Sprachkenntnisse, doch in den meisten Fällen beschränkt sich das auf fünf bis zehn Worte. Wenn ich mir die letzten ATV-Rundmails durchlese, respektive entziffere, scheint es mir doch ausreichend für ein PH-Studium. Ich habe ihr einen Franzosen, François, kennengelernt, der seit 15 Jahren Deutsch lernt und jetzt sogar studiert und dementsprechend souverän unsere Muttersprache beherrscht. Abgesehen davon ist er ziemlich cool und ich hänge häufiger mit ihm rum. Jedenfalls bis vor Kurzem, da er jetzt eine Freundin hat, deren Mund er jetzt oft bewässert.
Im Stadion
Ich war im Stadion und musste dabei einige kulturelle Unterschiede zu Deutschland feststellen. Vielleicht lag es daran, dass ich im Familienblock saß, doch grundsätzlich kann man sagen, dass sich die Franzosen zivilisierter im Stadion benehmen. Niemand raucht auf den Tribünen und auch die Quote von Menschen, die wenig bis gar nicht am nationalen Bildungssystem partizipiert haben, ist erstaunlich gering. Das Stadion selbst hat ungefähr 32.000 Plätze und war gut in Schuss. Rennes gewann übrigens 2:0 gegen AJ Auxerre und spielt um die UEFA-Cup-Teilnahme mit.
McDonalds
Grundsätzlich ist der McDonalds die gleiche Soße wie in Deutschland, abgesehen von ein paar anderen Burgern und dementsprechenden Namen. Was jedoch ziemlich gewieft ist, ist das Studentenangebot: Kauft man sich ein Maxi-Menü, bekommt man beim Vorzeigen des Studentenausweises einen Gratisburger – egal welchen. Dieses Angebot dient natürlich nur dazu, die Studierendenschaft anzufixen und ist sehr leicht zu durchschauen. Ich persönlich finde es aber klasse und war jetzt schon öfter dort essen als im kompletten vergangenen Jahr. Ein BigTasty plus RoyalTS inklusiver einer großen Cola und einer großen Portion Pommes für knapp sieben Euro sind einfach ein tolles Angebot!
Abschleppservice
Vor zwei Wochen parkte ich abends bei François in der Straße mit gutem Gewissen. Nichtsdestotrotz hielten es die kleinlichen Franzosen für notwendig mein Auto abzuschleppen, nur weil sie eben an der Stelle Bauarbeiten durchführen wollten. Von mir aus hätten sie die Straße ja um mein Auto herum verlegen können, der kleine Schaden würde hier bei den beschissenen Straßenverhältnissen eh nicht weiter auffallen. Als ich jedenfalls eine Woche später mein Auto wieder besichtigen wollte (abholen war aufgrund von geringfügigem Alkoholkonsum zwar möglich, aber nicht erlaubt), war es nicht mehr da. Ich machte mir Sorgen um mein Auto und mein Bankkonto, kosten solche Späße in Deutschland doch locker zwischen 100 und 200 Euro. François half mir ein wenig mit der Suche und vor allem den Telefonaten, die für mich zu führen (noch) eine Unmöglichkeit darstellen. Zu guter Letzt fanden wir es zwei Straßen weiter – ohne jedes Knöllchen oder sonst einen Hinweis, der mich zur Zahlung irgendeines Beitrages aufforderte. Was für ne geile Scheiße! So was würde mir in Deutschland nicht passieren.
Mittlerweile habe ich mir Gedanken dazu gemacht und das nächste Mal, wenn ich falsch parke, werde ich einen Zettel mit meiner Adresse an die Windschutzscheibe hängen, damit sie wissen, wohin sie das Auto bringen sollen. Vorzugsweise nachts, wenn ich einen trinken gehen, damit sie mein Auto mit mir, darin schlafend, direkt auf den Parkplatz vor mein Wohnheim stellen können. Was ein Service …

