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Dienstag, 18. September 2012

Frankreich 2009 (1): Der Rausschmiss

Ursprünglich begann ich diesen - erschreckend vernachlässigten - Blog vor über drei Jahren, um Familie und Freunden in Deutschland auf dem Laufenden zu halten, was mir so alles passieren würde. Und um am Telefon und über Skype nicht bei jedem Gespräch das Gleiche erzählen zu müssen. Die Idee an sich war zwar gut, aber ich hätte dann auch ab und an auch mal etwas schreiben müssen. Vor allem, weil ich ab Ende August tatsächlich einiges erlebt habe. Anders, als ich mir das von einem Auslandsjahr vorgestellt habe, aber immerhin. Es juckt mir schon länger in den Fingern, das einfach nachzuholen und jetzt - drei Jahre später - ist es soweit. Alle paar Tage will ich eine Episode aus meiner skurrillen WG aus Rennes veröffentlichen. Ich kann nicht versprechen, dass das auch nur im Ansatz interessant ist, aber ich mach das jetzt auch mehr für mich. Der folgende Text schließt recht nahtlos an zwei ältere Einträge ein.

Montag, 6. Juli 2009

Vom Regen in die Scheiße

Der französische Student an sich wohnt nicht in Rennes, er studiert und streikt hier nur. Über das Wochenende und die Semesterferien ist er hier also grundsätzlich nicht anzutreffen. Der Betreiber der Studentenwohnheime schließt aufgrund dieser mangelnden Nachfrage nach Übernachtungsmöglichkeiten fast alle Studentenwohnheime bis auf zwei oder drei. Mein Gebäude – welches seit 10 Jahren im jeweils folgenden Jahr abgerissen werden sollte – war unter denen, die geschlossen wurden. Ich bin also umgezogen.

Während ich mich mit meinem alten Wohnheim schon fast angefreundet abgefunden habe, in dem vermeintlichen Wissen, viel schlechter könne es ja nicht mehr werden, bin ich schon mit einer Portion Vorfreude in das neue bâtiment eingezogen. Zu meinem Schrecken ist es – obwohl moderner – schäbiger.

Gebäude an sich

Das Gebäude ist sehr eigenwillig isoliert: Hitze und stickige Luft kommen rein, aber nicht raus. Aufzüge gibt es nicht (wohne zum Glück nur im zweiten Stock). Wenn ich die Küche besuche, packe ich lieber meine Wanderstiefel ein.

Sanitäranlagen

Die Toiletten wurden offensichtlich aus dem naheliegenden Kindergarten oder der Grundschule ausgemustert und günstig hier eingebaut. Das macht dieses Gebäude natürlich sehr kinderfreundlich, wirken aber in einem Studentenwohnheim mit einem Kinderanteil von 0% deplatziert. Ich muss jetzt ständig aufpassen, dass ich mir beim Hinsetzen nicht das Kinn an den Knien aufschlage. Um aus der Toilette rauszukommen, muss man sich rein theoretisch in das Klo stellen, um an der Tür vorbeizukommen. Auch sind sie ständig versifft; betätigt man die Spülung, reinigt diese nicht nur das Klo an sich, sondern auch die ganze Kabine und die eigenen Schuhe. Ich gehe kaum noch mit einer Zeitung aufs Klo – so weit haben sie mich schon getrieben.

Die Duschen sind mal, salopp gesagt, für’n Arsch: Der Druck, mit dem das Wasser aus der Leitung geschossen kommt, ist so stark, dass man die Tropfen fast einzeln zählen kann. Sich selbst anspucken ist ähnlich effektiv. Das war jetzt auch nur die Beschreibung der einen Dusche, die halbwegs funktioniert. Die Anderen kann man komplett vergessen.

Die Küche ist mal wieder exzellent ausgestattet: zwei Herdplatten, eine Mikrowelle und im Kühlschrank ein halbes Fach. Die Herdplatten muss man alle zwei Minuten per Knopfdruck freischalten, ihr wisst schon, aus Sicherheitsgründen und so. Sollten sich mehr als drei Personen in der Küche aufhalten, muss man sie stapeln. Kurz gesagt: Kochen macht hier echt wahnsinnig Spaß und ist mittlerweile ein neues Hobby.

Die Hoffnung, hier nach zwei Monaten wieder rauskommen zu können, hält mich aber weiterhin am Leben und ihr braucht euch fast keine Sorgen zu machen …