Posts mit dem Label Wohnungssuche werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Wohnungssuche werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Freitag, 16. Oktober 2020

Wohnungssuche, die Zweite

 Als regelrechte Achterbahnfahrt könnte man die letzten Wochen beschreiben. Doch der Reihe nach.

Meine erste Wohnungsbesichtigung war ja durchwachsen. Die meisten Wohnungen kamen schon im Aufzug auf der Fahrt nach oben kaum in Frage, da das Haus, das um die Wohnung herum gebaut war, schon kurz vor der Pensionierung stand. Vielleicht war ich ja auch einfach pingelig, aber ein Aufzug ohne Tür, der ächzend und krächzend sich hochmühte und dabei immer an die Wände des Schachtes stieß, erzeugte bei mir einfach kein großes Zutrauen. Das Interieur, das wohl selbst meiner Großmutter in ihrer Jugend als veraltet erschienen wäre und auch sonst die beste Zeit hinter sich hatte, tat sein Übriges, um mich zu überzeugen, höflich, aber bestimmt wortlos und kopfschüttelnd die Wohnung zu verlassen. Gut, vielleicht war das nicht höflich, aber wenigstens bestimmt. 

Der einzige Lichtblick war die letzte Wohnung, die wenigstens ansatzweise geschmackvoll mit Möbeln aus den 80ern versehen war und dazu günstig. Nein, das ist nicht einmal ironisch gemeint. Nur war dies die Wohnung, bei der der Vermieter eine jemenitische Familie vorschützte, um mich zu einem schnellen Abschluss zu bewegen. Von daher lehnte ich ab, gerade auch weil ich mich nicht unter Druck setzen lassen wollte.


Potentielle Wohnung. Aktuell ohne Plastik um die Möbel.

Ein ägyptischer Freund vermittelte mir dann A., einen anderen Makler. Wie sich bei unserem Treffen herausstellte war der Makler eine Maklerin, eine junge, nicht unattraktive dazu. Die Wohnungen, die sie mir zeigte, zeigten direkt ein doch etwas höhere Qualität auf, lagen aber meist an etwas lauten Hauptstraßen. Auch hier war die letzte Wohnung die überzeugendeste - der aufmerksame Leser erkennt  ein Muster. Das Interieur versprühte den Charme einer Wohnung für verdiente Stasi-Offiziere. Und in der Tat posaunte hier vor fünfzig Jahren ein Kulturzentrum des kommunistischen Bruderstaates, der DDR, das Ideal des "Realexistierendem Sozialismus" in die arabische Welt. Als Zeugen dieses Projektes blieben einige Sessel, Tische und eine Couch zurück, fern der Heimat und doch bei bester Gesundheit. Da eine Treppe direkt auf eine großzügige und gemütliche Dachterasse führte, auf der man unter Wahrung von Corona-Sicherheitsabständen eine ganze Fußballmannschaft mit Auswechselspielern und Spielerfrauen beherbergen hätte können, konnte ich nicht Nein sagen. 

DDR-Wohnung mit Vermieter (links im Bild) und
Treppe zur Dachterasse (rechts im Bild).

Zwischendurch meldete sich wieder mein alter Vermieter und trat mit mir in Verhandlungen, so dass ich weiter hier in meiner alten Wohnung bleibe. Auf meinen Vorwurf, das Preis-Leistung-Verhältnis sei nicht akzeptabel, wollte er die Miete kürzen und dafür die Wohnung verkleinern, indem er ein Zimmer der Nachbarwohnung zuschlagen würde … was so ziemlich nichts an der Ausgangssituation geändert hätte. Auf meine Forderung, den Preis zu mindern und dafür mein drittes - liebevoll Wäsche-/Abstell-/Gästezimmer genanntes - Zimmer doch mal so zu gestalten, dass ich es nutzen könnte und dazu noch den Preis zu reduzieren, kam er erwartungsgemäß nicht nach. 

Also war klar, dass ich die DDR-Wohnung nehmen würde. 

Doch dann passierte etwas typisch Ägyptisches: Der betagte Vermieter und ich waren uns einig, nur der Vertrag musste noch unterschrieben werden und eine Anzahlung geleistet werden. Doch plötzlich wollte der Vermieter, dass ich neben der Kaution - eine Kaltmiete - auch noch drei Monatsmieten zahle. Was ich ablehnte. Hingegen wollte ich über den Vertrag noch einmal jemanden drüber lesen lassen. Was ihm nicht passte, da der Vertragsabschluss ihm nicht zu schnell ginge. Auch wollte er den Vertrag nur über ein-drei Monate laufen lassen, sollte ich aber vor den Sommerferien ausziehen, wollte er, dass ich mehr zahle, weil alles andere sei ja "unfair". Eine für mich nicht ganz nachvollziehbare Argumentation.

Lange Rede, kurzer Sinn: Auf einmal zog auch er potentiell andere Mieter aus dem Hut, dieses Mal waren es Franzosen, die dann auch tatsächlich noch am gleichen Abend den Zuschlag bekamen. Auf lange Sicht ist das sicher besser so, aber mein schon fast sichere Umzug löste sich damit in Luft auf. 

Am gleichen Abend traf ich mich dann mit meiner Maklerin, wir tranken ein wenig, lästerten über den Vermieter … und kamen uns etwas näher. Das war soweit auch ganz nett, aber beim nächsten Treffen, erschien sie mir irgendwie seltsam. Ich kann jetzt nicht sagen, ob sie sich in mich verguckt hat, aber die Art der Kommunikation veränderte sich radikal, irgendwie unangenehm dazu. Die eigentlich aufgeschlossen, selbstbewussten junge Frau verwandelte sich ein Püppchen, das keinen klaren Satz mehr herausbekam und mit verträumten Augen anstierte - für meinen Geschmack zu verträumt und zu lange. Danach bekam ich auch Nachrichten à la, sie würde mich vermissen und einen Tag später - da ich nicht sofort reagierte - Hassmails und einen sofortigen Kontaktabbruch. Dann die Drohung, sie würde mein Leben ruinieren, wenn ich jemandem von unserer Liason erzählte; anschließend erneut Abbruch des Kontaktes. Das war eine etwas überraschende Dynamik. So verlor ich nicht nur die Wohnung, sondern auch meine eigentlich kompetente Maklerin innerhalb weniger Tage. Sehr bitter. Andererseits zeigt es das doch etwas verquere Geschlechterverhältnis hier in dem Land. 

Gestern traf ich mich dann wieder mit meinem alten Makler. Alle Wohnungen waren im Bereicht von "danke, reicht" bis hin zu "naja". Aber er teilte mir mit, die Wohnung, die mich beim letzten Male interessiert hätte, wäre wieder zu haben. Mal schauen, ob es dieses Mal klappt.

Auf geht die nächste Runde Achterbahn fahren.

Und von der Schule und privaten Unternehmungen habe ich ja noch gar nicht angefangen.

Freitag, 11. September 2020

In Ägypten wenig Neues: Schulstart, Haribo und Wohnungssuche

"Kurzes" Statusupdate zur Vermeidung meiner eigentlich so beliebten langen Sprachnachrichten: Wer sich für den Schulkram nicht interessiert kann auch direkt zum nächsten Abschnitt springen.

Zur Schule

Das Schuljahr ist kaum zwei Wochen alt, schon fast freue ich mich auf die Ferien, da das Schuljahr mit einem mordsmäßigem Tempo beginnt. Die Schüler gewöhnen wir gerade noch in die neuen Unterrichtsformen ein - wir haben nämlich methodisch etwas aufgerüstet -, aber schon stehen die Klassenarbeiten vor der Tür. Pädagogisch ist das nur bedingt sinnvoll, aber ich denke, es geht vor allem darum, stichfeste Noten zu bekommen. Wie sich das Schuljahr entwickeln wird, weiß ja keiner, und von daher - so meine vermutete Denkweise - möchte man eine Notenbasis schaffen, die auch gerichtsfest ist. Das ist halt auch Schule im 21. Jahrhundert. Durch häufige Einsprüche gegen Noten - von denen sicher einige auch berechtigt sind - wird so etwas leider notwendig, auch wenn der Pädagoge in mir das eher kritisch sieht. 

Bis jetzt fand der Unterricht durchgehend online statt, aber kommenden Dienstag wird immer ein Teil der Schüler in Klassenstärke in der Schule unterrichtet. Natürlich mit Hygienemaßnahmen und dem ganzen Trara. 

Obwohl mir letztes Jahr das Unterrichten von Zuhause überhaupt nicht zugesagt hat, finde ich es momentan gar nicht mehr soooo übel. So gibt es wieder Unterricht nach Stundenplan, ein Teil in Videokonferenzen, den  Rest sollen die Schüler selbst erarbeiten oder üben. Bei vielen Kollegen und auch bei mir setzt sich immer mehr das Konzept von kleinen Gruppen durch, in denen die Schüler per Videokonferenz gemeinsam an Aufgaben arbeiten. Wir benutzen Microsoft Teams und OneNote, was gut zusammenpasst. Selbst meine Fünftklässler kommen trotz kleinerer Probleme immer besser damit zurecht und es erleichtert mir das Arbeiten ungemein. Dazu habe ich selbst in den Ferien technisch aufgerüstet, und zwar mit einem Tablet und passendem elektronischem Stift. Damit kann ich einerseits Schülerarbeiten ganz praktisch korrigieren, andererseits nutze ich das als digitale Tafel. Grundsätzlich würde ich es noch gerne schaffen, dass die Schüler noch mehr miteinander arbeiten und ich mich in der Zeit ansprechbar im Hintergrund halte. Es fühlt sich an wie durchaus passende Schuhen, die aber noch eingelaufen werden müssen.

Von der Software sind wir dementsprechend recht gut aufgestellt, gerade weil es auch zwei Kollegen gab, die da sehr viel Arbeit reingesteckt haben. Das größte Problem ist in Ägypten aber die Internetverbindung. Über die sogenannte "Landline" ist eine Videokonferenz kaum möglich. Deswegen arbeite ich in der Regel von der Schule aus. Die erste Woche klappte das wunderbar, aber da haben diese Möglichkeit auch nur eine Handvoll Lehrer benutzt. Umso mehr Lehrer aber von der Schule aus unterrichten, wird das bald nicht mehr gut gehen. Bin gespannt, wie es dann weitergeht. Ständig nur mit einem Hotspot reinzugehen, kann es ja auch nicht sein …

Wohnungssuche und Co

Vermutlich werde ich aus meiner - eigentlich ganz schicken und gemütlichen - Wohnung ausziehen werde. Momentan sondiere ich noch den Wohnungsmarkt, hoffe aber in Zukunft ein-zwei hundert Euro sparen zu können, was auch die hauptsächliche Motivation für den Auszug ist. Andere Stadtteile und andere Wohnungen zu sehen, ist durchaus recht spannend. Der Ägypter an sich scheint mir meist eine andere Ästhetik zu haben als so der Deutsche an sich. Für mich wirken die Wohnungen oft aus der Zeit gefallen. Teilweise sind es Möbel, die ich dem Barock zuordnen und in einem Museum erwarten würde. Schräg … aber über Geschmack lässt sich bekanntlich (nicht) streiten. Küche und Bad sind oft zweckmäßig, nicht immer in gutem Zustand. Vorgestern wurde mir eine Wohnung gezeigt, die zwar top in Schuss war und eine sehr geräumige Dachterrasse besaß, aber die Sitzgelegenheiten für 20-30 Personen besaß. Vermutlich wenn die Großfamilie mal wieder zu Besuch ist. Das geht also - vorsichtig formuliert - an meinen Bedürfnissen vorbei. Innentüren in Aufzügen sind tendentiell eher optional. Gerade Wände auch. 

Grundsätzlich ist es ja ein beliebter Verkaufstrick, eine Ware, die man unbedingt verkaufen möchte, künstlich zu verknappen. Wir kennen alle den Spruch "nur solange der Vorrat reicht" oder auf Amazon "nur noch ein Stück auf Lager" - ganz unabhängig von der tatsächlichen Situation. Das funktioniert leider auch nur allzu gut, weswegen es ja ständig praktiziert wird.

 Bei Wohnungen werden dagegen immer andere Interessenten vorgeschützt. Gut, in Deutschland ist es ein Vermietermarkt, auf dem die Vermieter die Marktmacht haben und sich dementsprechend die Mieter (oder Käufer) aussuchen können. Hier ist es aber umgekehrt. Ganz beliebt als potentielle Mieter sind jemenitische Familien. Ich weiß jetzt nicht, ob das durch den dortigen Bürgerkrieg bedingt ist, aber diese sind bei den Ägyptern nicht sonderlich beliebt. Von einem "you have to decide until tomorrow" ging es mir aber ein wenig schnell über auf ein "you have to decide today". Und auch wenn die Wohnung echt schick ist und in einer guten Ecke liegt, will ich mich nicht unter Druck setzen lassen. Vor allem habe ich mich aber mich geärgert, dass dieser "Trick" tatsächlich erstmal fruchtete und ich mich davon habe anstecken lassen. Gut, vielleicht ist die Wohnung jetzt tatsächlich weg, aber dann kann ich immer noch sagen: "Mit mir macht ihr den Scheiß nicht, meine Freunde, mit mir nicht!" Das fühlt sich unglaublich gut an und ist mir - wenigstens bis zum Moment meines Auszuges aus der Wohnung - wichtiger als alles andere. 

Seit ich ein paar Ägypter kennengelernt habe, gefällt es mir schon deutlich besser. Jetzt lerne ich auch mal die Orte kennen, an denen man auch mal gut abhängen kann … oder einfach lecker essen kann. In den nächsten Tagen steht dann die Entscheidung an, ob ich hier verlängern soll oder nicht. Grundsätzlich hätte ich schon noch Lust auf ein Jahr oder zwei, aber momentan tendiere ich dazu, meine Zelte nach dem Jahr abzubrechen, um eine Stelle in Deutschland anzutreten … wenn ich eine passende finde. Ist mit meinen Fächern ja nicht immer ganz so einfach. 

Wegen meinen Schülern futtere ich in letzter Zeit unglaublich viel Haribo. Um sie zu animieren, mehr zu lesen, habe ich einen Lesewettbewerb ausgerufen, bei dem drei Sieger je eine Packung Haribo als Prämie erhalten. Um sie zu motivieren, habe ich die Preise bereits gekauft, um sie dann mal in die Kamera zu halten wie damals die RAF Hanns Martin Schleyer. Naja, und jetzt hofft ein kleiner Teil von mir, dass keiner der Schüler etwas liest, damit es bei der Preisverleihung nicht peinlich wird, wenn ich einfach morgens nochmal schnell in die Küche greife, um überhaupt etwas überreichen zu können. Ich sehe die enttäuschten Kinderaugen schon vor mir: "Aber Mentos hatten wir nicht abgesprochen, Herr Kafitz, erst recht nicht mit Minzgeschmack!" - "Was, Herr Kafitz, soll ich denn jetzt mit diesem Stück Parmesan machen?" - "Danke, Herr Kafitz, ich habe mir schon immer mal eine halbvolle Packung Kaffeepulver gewünscht!"

Ach was, ich treibe doch nur Schabernack! Alles nur Spaß! Niemals würde ich mein Kaffeepulver und den Parmesan freiwillig herausrücken. Dann doch lieber blamieren. Oder morgen mal nen Tag ohne Bauchschmerzen einlegen. 

Freitag, 21. September 2012

Frankreich 2009 (2): Die Wohnungssuche

Da hat man den ganzen Sommer nichts zu tun und langweilt sich und dann wirft mich das französische Studentenwerk zwei Tage vor meinem sicher geglaubten Wohnheimszimmer raus. Das hätten sie mir auch mal früher sagen sollen. Die Penner!