Posts mit dem Label Arabisch lernen werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Arabisch lernen werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Montag, 16. November 2020

Ägyptische Musik: Nesma Mahgoub

Da ich in einem anderen Land lebe, bin ich natürlich auch an der hiesigen Kultur interessiert. Von daher ging ich vor einigen Wochen mit Kollege J. in die Oper, genauer gesagt, in den Garten der Oper mit Hygieneabstand und Mundschutz. Dort spielte laut seiner tiefgründigen Recherche "irgendwas Arabisches". Verbunden mit dem Veranstaltungsort stellte ich mir irgendetwas hochtrabend Klassisches vor, drei alte Säcke mit einer Oud oder so. Man sieht, ich war gut vorbereitet und meine Erwartungen an den Abend waren nicht existent. Vor Ort überraschte mich dann doch der etwas horrende Kartenpreis, statt der üblichen 3,50 € musste ich 6,50 € hinlegen. J. meinte, das läge an einem Starzuschlag, was dann nun doch meine Neugier müde weckte.

Auf der Bühne erschienen dann eben keine drei alte Säcke, sondern vier oder fünf junge Kerle, die aber nur Begleitung für die Sängerin waren: Nesma Mahgoub, eine Sängerin mit den lockigsten Haaren, kleine Statur, große Stimme. Ich muss jetzt schon vorausschicken: Das wird durch die YouTube-Videos leider nicht ganz deutlich.

Folgendes Lied könnten sogar manche kennen:


Das ist die arabsiche Version von "Let it go" aus dem Disney-Film Frozen. Nesma synchronisierte auch in beiden Teilen die Stimme der Hauptdarstellerin, also entweder Elsa oder Hannelore ... oder wie auch immer. 

Das erklärte dann auch den Starzuschlag. Am Abend selbst wechselte Nesma zwischen eigenen Songs und - meist englischsprachigen - Coverliedern hin und her. Das war durchaus gefällig und schön. Am meisten gefiel mir der Song Wujuh, vermutlich weil ich den Refrain schon beim zweiten Mal mitsingen konnte. Natürlich nur innerlich, nicht dass ich mich noch blamiere. Wujuh ist ein arabisches Wort und wenn jemand Arabisch sprechen kann, dann kann er vielleicht nicht nur was mit dem Titel anfangen, sondern auch mit dem anschließenden Text, ebenfallst Arabisch. Meine erste Deutungshypothese ist, dass sie damit irgendwelche Gefühle ausdrückt. Aber wer weiß: Vielleicht ist im Liedtext auch eine wissenschaftliche Arbeit in Politikwissenschaften versteckt. Für eine Promotion an der FU Berlin könnte das heutzutage sogar reichen.


Am meisten überraschte mich aber, dass Nesma an unserer deutschen Schule das Abitur gemacht hat. Dazu hat sie ein- oder zweimal bei "Jugend musiziert" teilgenommen - und gewonnen, bevor sie über die arabische Version von "Deutschland sucht den Superstar" bekannt wurde. Die Welt hier in Kairo ist manchmal schon ziemlich klein. 

Ihr neustes Lied kam gerade vor einem Monat heraus. Kul shams W Liha Del heißt laut Google: Jede Sonne hat ihren Schatten. (Wobei ich wenigstens die Hälfte tatsächlich verstanden habe.)


Ich wünsche einen schönen Start in die Woche.



Montag, 2. November 2020

Ägyptische Musik: Mafia Mafia

Um mal ein wenig multimediale Abwechslung in den Blog zu bringen, möchte ich mal in regelmäßigen Abständen (höhöhö!) ägyptische Musik vorstellen. 

"Mafia Mafia" ist das erste Lied, das irgendwie hängen geblieben ist. Vermutlich liegt es daran, dass hier das Wort "Mafia" so ziemlich das Gleiche bedeutet wie Zuhause auch. Titel und Video lassen darauf schließen, dass sich der Sänger hier als ein Gangster alten Schlages inszeniert. (Vermutlich würde man das nicht erkennen, wenn man mit der hiesigen Kultur wenig zu tun hat.) 



Freitag, 6. September 2019

Erste Schulwoche


Ich bin platt, körperlich und geistig platt. Die erste Schulwoche ist vorbei … und sie war knackig, aber auch durchaus sehr positiv.

Ermüdend ist dieser von allen Seiten auf mich einprasselnde Input: die Hitze, die Abläufe an der Schule, die neuen Klassen mit den neuen Schülern mit den für mich neuen Namen, pädagogische und organisatorische Dinge, die ich als Klassenlehrer beachten muss, dazu der Unterricht, die Sprache, die Hitze, andere kulturelle Gebräuche, das ungewohnte Essen … und nicht zuletzt die Stadt, Kairo. Seit Sonntag hatte ich bis gestern kaum eine ruhige Minute, außer ich habe geschlafen. Kurz: Die erste Woche war sehr intensiv und ich bin froh, sie jetzt hinter mir zu haben.

Grundsätzlich ist mein Ersteindruck aber sehr positiv. Die Schüler scheinen mir sehr freundlich und herzlich zu sein. Das Verhältnis von Lehrern und Schülern ist hier grundsätzlich ganz anders als in Deutschland, oft viel näher und auf einer schon fast eher freundschaftlichen Ebene. Das birgt natürlich auch wieder Gefahren, wenn man später die Noten geben muss. Hier gibt es anscheinend nur die zwei Wege, das genauso mitzumachen oder sich umso stärker abzugrenzen. Vernünftig ist es sicher, sich erstmal abzugrenzen, denn später kann man ja immer noch mehr Nähe aufbauen bis man die für sich richtige Balance gefunden hat. Da aber „vernünftig sein“ jetzt nicht so hundertprozentig mein Ding ist, gehe ich eher auf die andere Schiene, versuche mich aber nicht vereinnahmen zu lassen. Außerdem mag ich diese herzliche Art der Schüler, auch wenn Gerüchten nach diese Emotionalität zwei Gesichter haben kann, was sich unter anderem vor allem dann negativ zeigt, wenn die bekommene Note nicht mit der übereinstimmt, die der Schüler sich gewünscht hätte. Das werde ich aber noch früh genug feststellen.

Für mich selbst überraschend habe ich bis jetzt wenige Probleme mir die Namen zu merken. Zwar ist es für mich noch gewöhnungsbedürftig, dass nicht selten drei Leute mit dem gleichen Vornamen in der Klasse sitzen und dazu noch zwei mit dem gleichen Nachnamen, der bei den anderen der Vorname ist. Das überfordert mich an der ein oder anderen Stelle noch.

Richtig geil sind auf jeden Fall die Smartboards, die wir in dem neu gebauten Oberstufentrakt haben. Damit zu arbeiten macht – vorausgesetzt die Technik funktioniert – wirklich Spaß.

Die meisten Kollegen habe ich ja letzte Woche schon kennengelernt. Wirklich großartig finde ich ja unsere ägyptischen Kollegen, etwas ein Drittel aller Lehrer. Die sind alle herzlich und lachen viel. Mit einem habe ich ab nächste Woche auch ein Tandem, so dass er deutsch und ich arabisch lernen kann.

À propos arabisch: Dank meiner Arabischstunden – mittlerweile so knapp 15-20 – kann ich jetzt schon ein wenig Smalltalk halten. Hallo, wie geht’s? toll, und dir?, tschüssi! und so weiter klappt auch bereits mit einigen Variationen (mir geht’s supi!, so mittel) . Momentan lerne ich die Zahlen, was es gerade im Supermarkt und ähnlichen Situationen deutlich vereinfacht. Das Arabischlernen macht echt Laune, auch wenn’s anstrengend ist. Mein Lehrer, ich habe ja Privatstunden, ist ein sympathischer Typ und wir unterhalten uns auch häufiger mal über kulturelle Unterschiede, was mir das Land auch deutlich näherbringt. Gerade habe ich ein paar Hemden zum Bügeltypen gebracht und konnte, wenn auch gebrochen, auf Arabisch das Bügeln dieser Hemden und die morgige Abholung vereinbaren. Das ist jetzt sicher nicht der große Schritt für die Menschheit, aber für mich ist das ein weiteres Erfolgserlebnis.

Da die Schule und die Stadt sehr fordernd sind, ist es mir wichtig, einen guten Ausgleich zu haben. Jetzt habe ich mich schonmal in einem Fitnessstudio angemeldet, das heißt, ich werde totsicher zu einer alles vernichtenden Kampfmaschine, vorausgesetzt, dass ich das mit zwei-drei Besuchen pro Woche schaffen kann. Dazu war ich schon einmal mit zwei Kollegen und ein paar Leuten von der deutschen Botschaft kicken. Das war eigentlich ganz witzig, nur die Anfahrtszeit von knapp ner Stunde war dann eher so semi-geil. Weil ich jetzt fünf Tage hintereinander Sport gemacht habe, bin ich jetzt halt auch körperlich ein wenig platt; heute versuche ich mich so wenig wie möglich zu bewegen.

Einen Cellolehrer habe ich auch schon, treffe ihn aber erst nächste Woche. Aber damit dürfte ein Großteil meines Freizeit- und Erholungsprogrammes erstmal zufriedenstellend abgedeckt sein. (Gut, brauche noch von irgendwoher ein Cello, aber das wird sich schon einfinden).

Jetzt könnte ich noch stundenlang weiterschreiben, vor allem über den Verkehr. Über den gäbe es so einiges zu berichtigen. Auch muss ich noch den Beitrag zur ägyptischen Hochzeit nachliefern. Eigentlich hatte ich gehofft, das ein-zwei Tage später nachholen zu können. Wenn ich aber abends Zuhause ankomme, überwiegt das Bedürfnis nach Schlaf, ganz viel Schlaf.

Für heute Abend habe ich mich verabredet: Essen und Bauchtanzen. Also irgendjemand tanzt mit ihrem Bauch, nicht ich. Genug Bauch hätte ich zwar im Angebot, aber das würde wohl eher ein sehr spezielles Publikum anziehen. Angesichts meiner Bauchtanzfähigkeiten ein spezielles Publikum ohne Zahlungskraft. Da die Löhne in Ägypten eh sehr niedrig sind, ist das vorerst ein Karrierepfad, den ich nicht beschreiten möchte. Aber gut, bin ja mit dem Dasein als Lehrer vorerst gut ausgelastet. Langeweile ist hier etwas, vor dem ich vorerst keine Angst zu haben brauche.