Sonntag, 15. März 2009

Was lange währt …

Hallo, liebe Freundinnen! Wie ihr offensichtlich bemerkt habt, ist es schon ein Weilchen her, dass ich meinen Blog aktualisiert habe. Es ist aber nun mal so, dass hier seit Wochen ein Streik an der Uni tobt und ich somit nicht ganz soviel lernen kann, wie ich eigentlich möchte. Momentan gammele ich doch sehr professionell vor mich hin – ihr würdet mich nicht wiedererkennen! Heute trage ich dann die wenigen Erkenntnisse und Erlebnisse mal wieder zusammen; vorher war es einfach zu wenig, um überhaupt etwas zu Papier zu bringen.

Positives
Es soll hier nicht so rüberkommen, als wäre hier alles schlecht und blöde. Die Bretonen an sich sind sehr nett und höflich und überall, wo ich hinkomme, werde ich freundlich empfangen. Von deutsch-französischer Erzfeindschaft keinerlei Spur. Auch das Wetter spielt langsam mit, die letzten Wochen waren kaum nass und mit der Sonne kratzen wir doch schon an der 20°-Celsiusmarke.
Einfach nur loben ist für mich aber zu langweilig, kommen wir also nun zu den interessanteren Details.

Sprachkenntnisse

Peu á peu verbessern sich meine Kenntnisse in Wort und Schrift, in Ausdruck und Verständnis, in hoher und Vulgärsprache. Meine Lernkurve ist immer noch sehr steil und ich weiß mich noch lange nicht am Ziel – in Wortschatz und Grammatik habe ich noch viele Lektionen zu lernen. Jedenfalls klappt der Small Talk, was kein Wunder darstellt, denn meistens beschränkt sich das auf: Wie heißt du? Woher kommst du? Was studierst du? Seit wann bist du hier und wie lange bleibst du hier?

Fast jeder besitzt deutsche Sprachkenntnisse, doch in den meisten Fällen beschränkt sich das auf fünf bis zehn Worte. Wenn ich mir die letzten ATV-Rundmails durchlese, respektive entziffere, scheint es mir doch ausreichend für ein PH-Studium. Ich habe ihr einen Franzosen, François, kennengelernt, der seit 15 Jahren Deutsch lernt und jetzt sogar studiert und dementsprechend souverän unsere Muttersprache beherrscht. Abgesehen davon ist er ziemlich cool und ich hänge häufiger mit ihm rum. Jedenfalls bis vor Kurzem, da er jetzt eine Freundin hat, deren Mund er jetzt oft bewässert.

Im Stadion

Ich war im Stadion und musste dabei einige kulturelle Unterschiede zu Deutschland feststellen. Vielleicht lag es daran, dass ich im Familienblock saß, doch grundsätzlich kann man sagen, dass sich die Franzosen zivilisierter im Stadion benehmen. Niemand raucht auf den Tribünen und auch die Quote von Menschen, die wenig bis gar nicht am nationalen Bildungssystem partizipiert haben, ist erstaunlich gering. Das Stadion selbst hat ungefähr 32.000 Plätze und war gut in Schuss. Rennes gewann übrigens 2:0 gegen AJ Auxerre und spielt um die UEFA-Cup-Teilnahme mit.

McDonalds


Grundsätzlich ist der McDonalds die gleiche Soße wie in Deutschland, abgesehen von ein paar anderen Burgern und dementsprechenden Namen. Was jedoch ziemlich gewieft ist, ist das Studentenangebot: Kauft man sich ein Maxi-Menü, bekommt man beim Vorzeigen des Studentenausweises einen Gratisburger – egal welchen. Dieses Angebot dient natürlich nur dazu, die Studierendenschaft anzufixen und ist sehr leicht zu durchschauen. Ich persönlich finde es aber klasse und war jetzt schon öfter dort essen als im kompletten vergangenen Jahr. Ein BigTasty plus RoyalTS inklusiver einer großen Cola und einer großen Portion Pommes für knapp sieben Euro sind einfach ein tolles Angebot!


Abschleppservice

Vor zwei Wochen parkte ich abends bei François in der Straße mit gutem Gewissen. Nichtsdestotrotz hielten es die kleinlichen Franzosen für notwendig mein Auto abzuschleppen, nur weil sie eben an der Stelle Bauarbeiten durchführen wollten. Von mir aus hätten sie die Straße ja um mein Auto herum verlegen können, der kleine Schaden würde hier bei den beschissenen Straßenverhältnissen eh nicht weiter auffallen. Als ich jedenfalls eine Woche später mein Auto wieder besichtigen wollte (abholen war aufgrund von geringfügigem Alkoholkonsum zwar möglich, aber nicht erlaubt), war es nicht mehr da. Ich machte mir Sorgen um mein Auto und mein Bankkonto, kosten solche Späße in Deutschland doch locker zwischen 100 und 200 Euro. François half mir ein wenig mit der Suche und vor allem den Telefonaten, die für mich zu führen (noch) eine Unmöglichkeit darstellen. Zu guter Letzt fanden wir es zwei Straßen weiter – ohne jedes Knöllchen oder sonst einen Hinweis, der mich zur Zahlung irgendeines Beitrages aufforderte. Was für ne geile Scheiße! So was würde mir in Deutschland nicht passieren.

Mittlerweile habe ich mir Gedanken dazu gemacht und das nächste Mal, wenn ich falsch parke, werde ich einen Zettel mit meiner Adresse an die Windschutzscheibe hängen, damit sie wissen, wohin sie das Auto bringen sollen. Vorzugsweise nachts, wenn ich einen trinken gehen, damit sie mein Auto mit mir, darin schlafend, direkt auf den Parkplatz vor mein Wohnheim stellen können. Was ein Service …

Freitag, 6. Februar 2009

La vie en France

In eigener Sache

Liebe Freunde der intimen Details und des schlüpfrigen Humors! Bevor ich mit der den eigentlichen Erzählungen beginne, die über die Abenteuer des hübschen, charmanten und voll intelläge … intellig … äh klugen Mannes berichten, möchte ich eine Nachricht in eigener Sache vorwegnehmen: Ich habe erfahren, dass meine Eltern hier mitlesen. Daraufhin hatte ich mir eine U50- (=unter fünfzig) Sparte überlegt, mit all den frivolen Informationen über die Sexorgien, Drogenpartys und meine vielfältigen Liebschaften. Dummerweise würde meine Mutter aufgrund ihres juvenilen Aussehens und ihres tatsächlichen Alters souverän und ohne Probleme die Alterskontrollen für diesen Bereich absolvieren. Ein U45-Sektor ist leider technisch nicht möglich und so bin ich entweder gezwungen, eine bloginterne Zensur einzuführen oder einfach brav zu bleiben. Ich habe mich für Letzteres entschieden und werde ab sofort nur noch fleißig Französisch lernen, doppelt so viele Kurse wie möglich besuchen und nebenbei mit meiner bahnbrechenden Doktorarbeit über was-weiß-ich beginnen und damit einfach mal nebenbei den Literaturnobelpreis zu gewinnen. – Liebe Eltern, dies wäre jetzt ein guter Zeitpunkt, einfach mal oben rechts auf das X zu drücken; ich melde mich dann einfach wieder.

Da wir jungen – und in meinem Fall auch sexy – Menschen wieder unter uns sind: War nur Spaß! Ich werde nach besten Kräften versuchen, hier die Sau raushängen zu lassen, meine Gesundheit und jegliche Gehirnaktivitäten zu terminieren und rumhuren, wie es nur irgendwie möglich ist! Man ist ja schließlich nur einmal jung …

Wochenrückblick

Rückblickend waren die letzten Wochen doch ereignisloser, als ich mir das gewünscht habe. Nichtsdestotrotz möchte ich mit meinem persönlichem, produktivem Highlight beginnen: Mittwoch letzte Woche habe ich es endlich geschafft, meine letzte (von zwei) Kiste auszuräumen und zusätzlich mein Zimmer etwas auf Vordermann zu bringen. Wie ein fleißiges Bienchen schwirrte ich durch mein Zimmer und habe sogar gefegt und meinen Drucker angeschlossen, der seitdem nutzlos hier rumsteht. Als ich dann abends ins Bett wollte, stand ich plötzlich vor einem Problem, welches ich aber auch umsichtig und abgeklärt meisterte: Nachdem ich die Kiste leerräumte, zwischenlagerte ich das Zeugs aus der Kiste auf meinem Bett. Wie zu erwarten war, verließ mich meine Arbeitsmotivation nach ungefähr zehn bis fünfzehn Minuten und so konnte ich diesen Kram nicht mehr in den vorhandenen Stauraum einräumen. Als ich mir nun meine (ausnahmsweise) wohl verdiente Bettruhe gönnen wollte, lagen mir nun Kabel, Klamotten und meine zwei nie benutzten Ablagefächer im Wege. Meine in mir aufwallende Panik bekam ich aber schnell wieder in den Griff: Da mein Schreibtisch bereits ausreichend zugemüllt war, stellte ich in einem letzten Kraftakt – unter Blut, Schweiß und Tränen – das ganze Zeugs auf den Boden. Da steht es zwar noch heute im Weg, aber ich konnte mich endlich meinen Träumen widmen, in denen ich, nicht ganz zufällig, zum Mitarbeiter des Monats eines Gebäudereinigungsunternehmens gewählt wurde. Dennoch bin ich mir der Notwendigkeit einer Putzhilfe bewusst und halte Ausschau nach einer potentiellen Freundin. Ist das eigentlich sexistisch, wenn ich so was nur denke oder erst, wenn ich dies tatsächlich durchführen lasse? Nicht, dass mich das stören würde, aber interessieren würde mich es trotzdem.

Ansonsten ist nicht viel passiert: War auf einigen ‚Partys‘, die alle kaum der Rede wert sind. So war ich Freitag vergangener Woche auf einer Fete in einem Wohnheimzimmer bei einem schwulen (im wertenden Sinne, nicht tatsächlich) Franzosen mit ungefähr sechs, optisch eher zweitklassigen, Italienerinnen und der frontlastigen Rumänin, die sich im Glauben an eine Party auch ganz hübsch rausgeputzt hatte. Da fast die ganze ‚Partycrew‘ anfing, eine französische Variante von Mensch-ärger-dich-nicht zu spielen, forderte ich die Rumänin zu einer Runde Bowling auf der Wii heraus. Schnell bereute ich diesen Entschluss, da ich voll einen auf den Sack bekommen habe; typisch Anfängerglück!

Kulinarisches

Meine Mahlzeiten in Frankreich bestehen hauptsächlich aus folgenden Komponenten: Sandwiches, Crêpes, Schmankerln aus der Mikrowelle und Joghurt. Die Sandwiches hier ähneln den Pausenbrötchen, die meine Mutter anno dazumal für meinen Schulbesuch anfertigte. Nur eben besser. Meine Mutter beschränkte sich auf Aufbackbrötchen, belegt mit Butter, Schinken, ein-zwei Salatblättern und ganz viel Liebe. Allein damit war ich der King auf dem Pausenhof und konnte durch Tauschhandel einige Leute überzeugen, so zu tun, als wären sie meine Freunde. Diese Brötchen waren somit sehr wichtig, um meine pubertäre Identitätskrise zu überwinden – aufgrund vieler Pickel, weniger Freunde und kleinem Wuchs. Diesen psychologischen Stellenwert können die Sandwiches hier natürlich nicht einnehmen. Doch das kleine Baguette, bestückt mit Schinken, dick Mayo, Salat, Tomaten und gekochten Eiern, konnte schnell einen festen Platz in meinem Verdauungstrakt erobern, auch wenn die raue Oberfläche regelmäßig den Gaumen aufscheuert.

Zu den Crêpes gibt es nicht viel zu sagen: Sie sind einfach geil und ich könnte mich jeden Tag reinsetzen! Zu diesem Zweck habe ich mir extra eine überteuerte Crêpepfanne besorgt, mit der ich regelmäßig den Nachschub aus der Bäckerei (das Stück 45 Cent) aufwärme und mir mit Bananen und Nutella kredenze.

Das Mikrowellenessen aus dem Supermarkt ist stets innerhalb von drei Minuten fertig und wurde laut Verpackung von Marie mit Liebe vorgekocht. Dafür verzichtet Marie auf Gewürze und beschränkt sich auf Portionen, die lediglich in die Zahnlücke eines zweijährigen Kleinkindes passen. Naja, Hauptsache einmal täglich ne warme Mahlzeit …

Vom Joghurt mit Vanillegeschmack gibt es täglich ein bis zwei Rationen, die doch einen äußerst positiven Effekt auf den Verdauungstrakt haben. Frei nach der Lebensweisheit: A Joghurt a day keeps the shitpaper (temporarly) away!

Toilettenpapier

Wo wir auch schon bei unserem nächsten Thema sind: dem Klopapier. Dieses ist hier im Wohnheim nämlich sanktioniert, so sehr sanktioniert, dass ich mich selbst damit im Supermarkt damit eindeckte. Da ich meinen alten Freund den Charminbären nicht antraf, griff ich zu einer Marke mit nem Drecksköter als Maskottchen, offensichtlich ne Welpe. Dass das Papier mit diesem Tier etwas gemein hat, war mir zu diesem Zeitpunkt nicht bewusst. Beide stinken nämlich! Eins nach Köter, das andere nach verunglücktem Parfüm. Da stellt sich mir natürlich die Frage: Warum? Warum parfümiert man Toilettenpapier? Wer tut so was? Soll die Kanalisation besser riechen, damit die Kanalarbeiter auch Spaß an ihrem Job haben? Oder gibt dieses Toilettenpapier den Geruch an die … äh … betupfte Körperstelle ab, um dort einen scheinbaren Wohlgeruch zu verbreiten? Mal angenommen, Letzteres träfe zu, wer steckt denn bitte schön seine Nase in den eigenen oder anderer Leute Hintern? Bis jetzt dachte ich stets, das Wort Arschkriecher sei metaphorisch zu verstehen und nicht wortwörtlich. Und zu guter Letzt: Wie viel Freizeit muss man haben, um sich über solche Dinge Gedanken zu machen …?

Bürokratie

Starten wir einen Rettungswurf für das Niveau, holen es aus der Kloake, machen es sauber, kämmen und streicheln es ein wenig.

Die Bürokratie ist hier viel ausgeprägter als in Deutschland. So brauchte ich für den Besuch des Hochschulsportes, einen Termin beim Studentengesundheitscheck, einen Studentengesundheitscheck, ein Passfoto und die Papiere vom Studentengesundheitscheck. Um hier Wohnhilfe zu beantragen, braucht man das Formular, ein französisches Bankkonto, ein Rendez-vous zum Eröffnen eines französischen Bankkontos (Rendez-vous ist in Frankreich lediglich eine neutrale Verabredung), einen Nachweis über die staatliche Kinderhilfe und kann anschließend dies beim Sekretariat abgeben. Das kann hier manchmal ganz schön nervig sein, vor allem wenn man kein französisch spricht.

Mp3-Player

Mein mp3-Player ist kaputt. Einfach so. Wie tot. Muss ich wohl einschicken. Sehr bitter.

Joggen

Da mein mp3-Player kaputt ist (für Details siehe oben), kann ich momentan nicht joggen. Es ist quasi technisch nicht möglich. Dabei ist das eine meiner Lieblingsbeschäftigungen, gleich nach früh aufstehen, aufräumen und sinnlos den Kopf gegen die Wand hämmern.

Dienstag, 27. Januar 2009

Aufgefallen...

Zebrastreifen
Möchte man in Frankreich am Straßenverkehr partizipieren, gilt es einige Unterschiede im Vergleich zur Heimat zu beachten. So zum Beispiel der Zebrastreifen, der in Deutschland die Funktion einer Sicherheitszone für Fußgänger hat, um diesen sicher die Straßenüberquerung zu ermöglichen. Autofahrer haben ihn zu respektieren und müssen mit einer empfindlichen Strafe rechnen, sollten sie die armen Passanten gefährden. Zu Recht, würde ich doch meinen, denn wer so blöd ist, dies in Sichweite der Polizei zu machen, hat auch nichts anderes verdient.
In Frankreich aber ist die Situation eine gänzlich andere. Zwar sieht der Zebrastreifen fast genauso aus wie sein Kollege der BRD, doch darf man ihn nicht ähnlich blauäugig betreten. Da ich ein gewiefter Fuchs bin, sind mir die hießgen Spielregeln schnell klar geworden: Man sollte vor dem Betreten unauffällig die Szenerie beobachten und insofern die Situation eine geeignete ist - den herannahenden Autos sollte doch wenigstens eine Vollbremsung ermöglicht werden - beschreitet man den Zebrastreifen, indem man demonstrativ in die andere Richtung schaut und signalisiert so seine nicht vorhandene Kompromissbereitschaft. Der Fahrer steigt also in die Eisen und lässt einen friedlich die Straße passieren. Blickt man jedoch dem Auto abschätzig entgegen, ist dies das Zeichen für den Autofahrer, man könne ja noch weglaufen und gegebenenfalls eine Judorolle über das Gefährt absolvieren und begibt sich somit unnötig in Gefahr. Ob dies die allersicherste Variante ist, lasse ich jetzt einfach mal im Raum stehen; Busse und andere große Gefährte lasse ich bis jetzt aber noch höflich passieren - hier fehlt mir noch einfach die nötige Abgeklärtheit der Franzosen.


Französische Autos

Zugegeben: Ich fahre auch ein französisches Auto, aber schließlich bekam ich ein recht günstiges Angebot meiner Mutter und das war damals einfach die beste Option. Würde ich mir aber heute ein neues Auto zulegen (was aus monetären Gründen derzeit und auch in naher Zukunft nicht möglich ist), würde ich doch erstmal den Automarkt sondieren und dann peu à peu den Traumwagen meines begrenzten Budgets herausfiltern. Der Franzose an sich hat es hier ein wenig einfacher: Er kennt schließlich nur Renault (Créateur d'eurreur) und Peugeot! Die Globalisierung scheint auf dem französischen Automarkt spurlos vorbeigegangen zu sein - trotz der überlegenen und qualitativ hochwertigeren Konkurrenz aus dem deutschen Feindesland. Naja, wenigstens ist mein Auto hier gut aufgehoben und ich schon besser integriert, als es mir meine Sprachkenntnisse bis jetzt ermöglichen könnten.


Die Aufzüge
Wie bereits gesagt, wohne ich nicht gerade in einem Luxusappartement, doch was hier doch sehr bemerkenswert ist, sind die beiden Aufzüge (ein 3er- und ein 6er- Personenaufzug). Irgendwie bekommt man den Eindruck sie wären beim Bau dieses wunderhässlichen Gebäudes aus Kostengründen vom Sperrmüll geholt worden. Ist jedenfalls meine Theorie. Wieauchimmer, die Fahrt mit diesen Aufzügen ist nie langweilig und man ertappt sich doch häufiger als einem lieb ist bei kurzen Stoßgebeten gen Himmel, da sie doch den Eindruck vermitteln, als wären die Stahlseile von Rost, Nagetieren und besoffenen Franzosen bereitsordentlich angefressen. Somit ist man hin und wieder auch einfach froh, wenn sie mal gar nicht funktionieren, was auch nicht ganz selten ist...

Französische Alternative
Der Freiburger Alternativen an sich, bewegt sich meiner Meinung nach schon ganz ordentlich ästhetisch irrefürend durch das badische Städtchen, um zur nächster Demo zu pilgern (für oder gegen was ist ja egal: Hauptsache nicht angepasst!). Doch deren französischen Kollegen setzen der optischen Provokation doch nochmal die Krone auf: Frauen mit kurzen Haaren und einem oder zwei geflochtenen Pimmelschen sind hier keine Seltenheit; der wandelnde Augenkrebserreger wird durch selbstgestrickte Kartoffelsäcke in grellen Farben komplettiert. Leider fehlen mir hier die Worte, um hier ein anschauliches Bild zu kreieren. Werde bei Gelegenheit mal ein paar Portraits machen. Nur soviel sei noch gesagt: Wenn Hässlichkeit hier als Prädikat verstanden wird, haben uns die Franzosen doch deutlich was voraus, zum Glück ist dieser Trend noch nicht nach Deutschland geschwappt...

Dienstag, 20. Januar 2009

Erste Woche

Für Kölner Verhältnisse ist Freiburg nicht gerade ein Partymekka: Die Läden inklusive McDonalds schließen schließlich schon um drei Uhr. Dennoch hat es die Freiburger Partycrew geschafft mir einen feucht-fröhlichen Abschied zu bereiten, von dem ich meinen Enkeln noch erzählen werde. Naja, nicht wirklich; war aber trotzdem ziemlich lustig und schließlich wankte ich recht müde und eventuell derbe dicht um sechs Uhr morgens nach Hause. Die Uhrzeit ist hier als Prädikat zu verstehen, da ich normalerweise doch um einiges früher die Segel streiche. An dieser Stelle nochmal ein dickes fettes Dankeschön! Grade Auch für das kleine Büchlein!

Sonntagsmorgens fuhr ich in meiner Luxuskarosse gen Frankreich. Auf dem Weg dorthin stellten sich mir lediglich zwei Blitzen und die Autobahn bei Paris in den Weg und so kam ich abends bei Familie Schubert (Freunde meiner Eltern) an, die etwa 10 km vor Rennes ihr Domizil haben. Begrüßt wurde ich mit Rouladen aus Deutschland, was doch eine nette Streicheleinheit für meine etwas müde Stimmung darstellte. Ebenso bekam ich noch einen kleinen Crashkurs in französischer Sprache und Mentalität.

Am nächsten Morgen fuhr ich planmäßig und pünktlich (ohne Scheiß!) nach Rennes zur Uni und konnte recht problemfrei mein neues Zimmer beziehen. Das Gebäude, in dem sich das Zimmer befindet, darf man sich als eine Art Kleinod vorstellen, nur das nach dem ersten abschreckenden Eindruck (Plattenbau aus den 60ern, auf der Hässlichkeitsskala locker ne 9,5 von 10 Punkten) nicht wirklich eine Offenbarung eintritt, sondern eher eine Art Erleichterung. Das heißt, mein Zimmer ist in Ordnung, ich habe Möbel, in denen ich mein Zeugs verstauen könnte (man beachte den Konjunktiv!), eine ganze Steckdose und einen Abstell...äh Schreibtisch. Etwas irritierend ist das Waschbecken, welches für Kalt- und Warmwasser je einen Wasserhahn besitzt und das Baider, welches offensichtlich nur pro forma hier eingebaut wurde; vielleicht eignet es sich ja später mal zum Bier kühlen oder so. Toiletten, Duschen und Küche teile ich mir mit meiner Etage (etwa 30 Personen). Alles in allem ist es in etwa so, wie ich es erwartete.

Am Montag selbst hatte ich dann frei und begab mich erst am nächsten Mittag zu einer Versammlung von Erasmusstudenten. Hier durfte ich dann auch erfahren, was es heißt, mal sowas von überhaupt nichts zu verstehen. So klang auch das obligatorische "d'accord?" (verstanden?) etwas zynisch in meinen Ohren, war doch nicht ein einziges Blatt auf Englisch mitübersetzt (waren schließlich nur Ausländer da). Mittlerweile weiß ich glücklicherweise, dass meine Französischkenntnisse (also die Sprache) nicht die allerschlechtesten sind. Ganz vorne dabei sind die Chinesen, bei denen ich mich frage, wie sie effizient Technologiediebstahl begehen wollen, wenn sie doch nicht mal wissen, was sie stehlen. Ein paar Italienerinnen, Brasilianerinnen und Osteuropäerinnen sind auch ganz schön scheiße in Französisch, aber die wollen auch hoffentlich keine Technologie stehlen. Der feminine Plural ist hier auch nicht ganz zufällig gewählt und da ich kein Emanzipant bin, hat es wohl einen Grund: ne geile Frauenquote - jedenfalls quantitativ. Aber da ich das bereits aus Germanistik gewöhnt bin, werde ich hier nicht weiter darauf eingehen.

(Batiment B der Universität; die anderen Gebäude sind etwa ähnlich hübsch)

Aus erzähltechnerischer Perspektive heraus, war die restliche Werkwoche recht unspektakulär und wurde vor allem mit bürokratischem Gedöns verbracht. Am Freitagabend gab es hier eine "Party", die diese Bezeichnung eigentlich überhaupt nicht verdiente und die ich auch nicht erwähnen würde, würde ich auf kostbarem Papier schreiben. Hab aber ne Flatrate und zahle auch nix für den Strom und so erwähne ich sie halt für das Protokoll.

Samstag wurde ein netter Ausflug nach Mont St. Michel für die Erasmusstudenten organisiert. Mont St. Michel ist eine kleine Insel, die grade so im Meer liegt (bzw. liegen sollte, aber die haben hier Versandungsprobleme). War wirklich nett und der Ort ist wirklich traumhaft schön (ohne Witz jetzt). Abends gings dann in eine Salsabar, die dummerweise - wie so fast alles hier - um kurz vor eins dicht machte. Sagte ich bereits, dass es Samstagabend war? Das ist für mich alte Pachtymaus doch deutlich zu früh! Das ist hier seid ein paar Jahren so, seitdem es zuviele Schlägereien und Probleme zwischen Studenten und Polizei gab. Kann also nicht gerade behaupten, hier in einem Partybootcamp gelandet zu sein - und dabei bin ich nur Freiburger Verhältnisse gewohnt...

(Hier seht ihr Mont. St. Michel von unten)